Frozen Shoulder (Schultersteife) - Symptome & Behandlung

Frozen Shoulder

Unter einer Frozen Shoulder – auch Schultersteife oder adhäsive Kapsulitis genannt – wird die Aufhebung der Beweglichkeit der Schulter verstanden. Diese entsteht durch eine entzündliche und degenerative Veränderungen der Schultergelenkkapsel und ist sehr schmerzhaft. Es handelt sich dabei um eine häufig vorkommende Erkrankung, die bevorzugt bei Frauen und meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftritt. Grundsätzlich werden mit der primären und der sekundären Schultersteife zwei unterschiedliche Formen der Frozen Shoulder unterschieden.

Häufigkeit: Wie oft tritt eine Frozen Shoulder auf?

Die Frozen Shoulder kommt relativ häufig vor. Insgesamt leiden schätzungsweise 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben einmal an einer Schultersteife. Meist treten die typischen Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Vor allem Menschen, die unter Diabetes mellitus leiden, erkranken häufig an einer Frozen Shoulder. Von Ihnen sind etwa 10 bis 20 Prozent betroffen.

 

Schulterschmerzen durch Frozen Shoulder

Ursachen und Formen der Schultersteife

Je nachdem, welche Ursachen der Gelenkerkrankung zugrunde liegen, lassen sich zwei Formen unterscheiden: die primäre und die sekundäre Frozen Shoulder. Während die primäre Form ein eigenständiges Krankheitsbild darstellt, dessen genaue Ursachen nicht geklärt sind, tritt die sekundäre Schultersteife als Folge von anderen Schultererkrankungen auf.

Ursachen der primären Frozen Shoulder

Die primäre Schultersteife ist gekennzeichnet durch eine unspezifische Entzündung der Gelenkschleimhaut und der Gelenkkapsel. Als Auslöser beziehungsweise begünstigende Faktoren der Entstehung einer solchen Entzündung gelten

  • hormonelle Störungen oder Veränderungen (etwa während der Menopause oder bei Schilddrüsenerkrankungen), sowie
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus.

Darüber hinaus wird auch eine genetische Veranlagung als Ursache für die Entstehung einer primären Frozen Shoulder diskutiert.

Ursachen der sekundären Schultersteife

Zu den Ursachen, die für eine sekundäre Schultersteife verantwortlich sein können, gehören unter anderem Schultererkrankungen wie die Omarthrose, bei der es zu einem krankhaften Verschleiß des Knorpels im Schultergelenk kommt, und die Kalkschulter, bei der Kalkablagerungen in den Sehnen des Schultergürtels entstehen. Darüber hinaus können auch Unfälle oder Verletzungen Auslöser einer sekundären Frozen Shoulder sein. So kann eine Schultersteife etwa nach Brüchen der am Gelenkaufbau beteiligten Knochen auftreten. Hierzu gehören etwa die Humeruskopffraktur (Bruch des Oberarmkopfes) oder die Glenoidfraktur (Bruch der Schulterpfanne).

Symptome und Verlauf einer Frozen Shoulder

Was beide Formen der Frozen Shoulder gemeinsam haben, ist, dass sie aufgrund der entstehenden Schulterschmerzen zu einer zunehmenden unwillkürlichen oder willkürlichen Schonung des betroffenen Schultergelenks führen. Dadurch kommt es zu einer Schrumpfung der Schultergelenkkapsel, die die für eine Schultersteife typische Reduktion der Gelenkbeweglichkeit und schließlich Einsteifung der Schulter zur Folge hat. Zudem kann die Schulter aufgrund der Entzündung geschwollen oder erwärmt sein.

Zu einer Einsteifung des Schultergelenks kommt es dabei nicht von heute auf morgen. Vielmehr ist eine Frozen Shoulder durch einen schleichenden und allmählichen Verlauf gekennzeichnet, der sich über mehrere Monate oder sogar Jahre hinziehen kann. Prinzipiell lassen sich dabei drei Stadien unterscheiden:

  • Stadium I: Dieses Stadium, das zwei bis neun Monate dauern kann, wird auch als „Freezing Phase“ oder Einfrierungsphase bezeichnet. In diesem Stadium der Frozen Shoulder fängt die Schulter immer stärker an zu schmerzen. Diese Schulterschmerzen treten vor allem nachts als sogenannte Ruheschmerzen, aber auch bei Bewegungen der Schulter auf. Erste Bewegungseinschränkungen, insbesondere durch die dabei auftretenden Schmerzen, sind möglich, stehen aber noch nicht im Vordergrund.
  • Stadium III: Im zweiten Stadium, das auch als Plateauphase bezeichnet wird, lassen die Schulterschmerzen nach und die zunehmenden Bewegungseinschränkungen treten immer mehr in den Vordergrund, bis die Schultersteife schließlich voll ausgeprägt ist. Durch die eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter kommt es oftmals auch zu einem Abbau der Schultermuskulatur. Dieses Stadium der Frozen Shoulder kann vier bis zwölf Monate andauern.
  • Stadium III: Das dritte Stadium der Frozen Shoulder wird auch „Thawing Phase“ oder Auftauphase genannt. In dieser Phase sind die Schmerzen fast ganz verschwunden und die Bewegungseinschränkungen lösen sich allmählich wieder. Bis die Beweglichkeit der Schulter wieder vollständig zurück ist, kann es ein bis drei Jahre dauern. Um zu verhindern, dass nach dem Abheilen der Schultersteife eine dauerhafte Schwäche und Bewegungseinschränkung im Schultergelenk zurückbleibt, sollte begleitend eine Physiotherapie erfolgen.

Diagnose einer Frozen Shoulder

Um eine Frozen Shoulder zu diagnostizieren, wird der Arzt im ersten Schritt eine ausführliche Befragung (Anamnese) des Patienten durchführen. Dabei wird er unter anderem Fragen zu den bestehenden Symptomen und Beschwerden, Vorerkrankungen und zurückliegenden Verletzungen stellen. Im nächsten Schritt folgt eine körperliche Untersuchung. Im Rahmen dieser Untersuchung lässt sich eine Frozen Shoulder problemlos anhand der für eine Schultersteife typischen Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks sowie der Schulterschmerzen diagnostizieren.

Um die genauen Ursachen bestimmen und andere Erkrankungen ausschließen zu können, kommen weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Darunter fallen bildgebende Verfahren wie die Röntgenuntersuchung und die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) sowie die Labordiagnostik zur Erkennung entzündlicher Ursachen. Ergänzend können auch weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden. Auch die Arthroskopie (Gelenkspiegelung) der Schulter ist ein ergänzendes Diagnoseverfahren.

Ultraschalluntersuchung der Schulter

Differentialdiagnosen der Schultersteife

Da es viele Schultererkrankungen mit ähnlichen Symptomen gibt, spielt die Differentialdiagnostik bei der Schultersteife eine entscheidende Rolle. Nur so lassen sich andere Erkrankungen als Auslöser der Schuterbeschwerden ausschließen und die Frozen Shoulder eindeutig diagnostizieren. Zu den Schultererkrankungen, die sich wie die Schultersteife durch zunehmende, schmerzhafte Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks äußern, gehören insbesondere Folgende:

  • Kalkschulter: Diese Erkrankung, die auch Tendinosis calcarea genannt wird, ist durch Durchblutungsstörungen und Kalkablagerungen in den Schultersehnen gekennzeichnet. Eine Kalkschulter tritt meist im Alter von 35 bis 50 Jahren auf und betrifft häufiger Frauen als Männer. Die für eine Kalkschulter typischen Kalkherde lassen sich durch eine Ultraschalluntersuchung oder im Röntgenbild meist deutlich erkennen, so dass eine Frozen Shoulder ausgeschlossen werden kann.
  • Schulterarthrose: Bei einer Schulterarthrose, auch Omarthrose genannt, kommt es zu einem krankhaften Verschleiß des Gelenkknorpels (Arthrose) im Schulterhauptgelenk. Da es sich dabei meist um eine degenerative, altersbedingte Erkrankung handelt, sind vor allem Menschen über 65 betroffen.
  • Impingement-Syndrom der Schulter: Kommt es zu einer Einengung des Raumes zwischen Schulterdach und Oberarmkopf (Subakromialraum), spricht man von einem Impingement-Syndrom der Schulter (Schulterengpasssyndrom). Bei dieser Erkrankung werden die Sehnen, Muskeln und Schleimbeutel, die durch diesen Raum verlaufen ein- oder abgeklemmt. Dies führt zu Reizungen und Entzündungen und damit zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Schulter.
  • Schleimbeutelentzündung der Schulter: Sind die Schleimbeutel in der Schulter entzündet, sprechen Mediziner von einer Bursitis subacromialis. Eine solche Schleimbeutelentzündung kann durch Überbelastungen und Überanstrengungen der Schulter oder durch Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis verursacht werden.

Mithilfe einer Röntgenuntersuchung sowie einer Ultraschalluntersuchung lassen sich diese Schultererkrankungen in der Regel von einer Frozen Shoulder abgrenzen. Ein sicherer Nachweis, dass eine Schultersteife vorliegt, ist dann oftmals erst durch eine Schulterarthroskopie möglich, bei der die entzündete Schultergelenkkapsel eindeutig erkennbar ist.

Behandlung einer Schultersteife

Eine Frozen Shoulder heilt zwar in der Regel auch ohne Therapie nach dem Durchlaufen der drei charakteristischen Stadien von alleine aus. Da dies aber ein sehr langwieriger Prozess sein kann und eine unbehandelte Schultersteife mit Komplikationen wie der Schulterarthrose oder Krankheitsrückfällen einhergehen kann, sollten Betroffene möglichst frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Der richtige Ansprechpartner bei Bewegungseinschränkungen und Schulterschmerzen ist dabei ein Orthopäde.

Die Behandlung einer Frozen Shoulder richtet sich nach der Ursache und dem Stadium der Erkrankung sowie dem Ausmaß der Bewegungseinschränkungen und Schmerzen in der Schulter. Ziel ist es, die schmerzfreie und vollständige Beweglichkeit des Schultergelenks wiederherzustellen. In den frühen Phasen der Erkrankung steht dabei die Behandlung und Linderung der Schmerzen im Vordergrund, während es im späten Stadium der Frozen Shoulder vor allem darum geht, die Schulter wieder beweglich zu machen. Grundsätzlich stehen dafür sowohl konservative als auch operative Therapieverfahren zur Auswahl.

Konservative Therapie der Frozen Shoulder

Im frühen Stadium der Erkrankung erfolgt die Behandlung einer Schultersteife in der Regel zunächst mit konservativen Maßnahmen wie der medikamentösen Therapie mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten, der Kälte- und/oder Wärmetherapie sowie der Krankengymnastik.

Zu den Medikamenten, die bei der Schmerzbehandlung der Schultersteife zum Einsatz kommen können, gehören insbesondere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure. Diese Medikamente können sowohl in Tablettenform, als auch als Salbe verabreicht werden. Darüber hinaus kann auch Cortison in Form von Injektionen oder Tabletten zum Einsatz kommen.

Mithilfe physiotherapeutischer Übungen im Rahmen der Krankengymnastik soll die Beweglichkeit des betroffenen Schultergelenks verbessert bzw. wiederhergestellt werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass das geschädigte Schultergelenk nicht überbelastet wird.

Operative Behandlung der Schultersteife

Lässt sich mit diesen konservativen Behandlungsmethoden keine Besserung der Frozen Shoulder erzielen, kann die geschrumpfte Schultergelenkkapsel im Rahmen eines operativen Eingriffs gezielt abgelöst bzw. durchtrennt werden. Eine solche Operation wird in der Regel minimal-invasiv im Rahmen der arthroskopischen Schulterchirurgie und unter Vollnarkose durchgeführt.

Bei diesem minimal-invasiven Eingriff bringt der Schulterspezialist zunächst über zwei kleine (ca. 3 Millimeter große) Zugänge eine Kamera sowie spezielle Instrumente in das Schultergelenk ein. Anschließend entfernt er die entzündlichen Anteile der Schultergelenkkapsel und löst die vorhandenen Verklebungen und Verwachsungen an der geschrumpften Gelenkkapsel. Falls notwendig, kann die Gelenkkapsel auch erweitert bzw. durchtrennt werden.

Prognose nach der Behandlung der Frozen Shoulder

In den meisten Fällen kommt es nach einer solchen Operation zu einer spürbaren Verbesserung der Beschwerden und Beweglichkeit des Schultergelenks. Um die wiedergewonnene Beweglichkeit der Schulter nach der OP auch zu erhalten und neue Verklebungen der Gelenkkapsel zu verhindern, sind im Anschluss an die OP physiotherapeutische Übungen notwendig.

Nur wenn sich die schmerzfreie, uneingeschränkte Beweglichkeit des Schultergelenks mit keiner der genannten Behandlungsmethoden erzielen lässt, sondern vielmehr Spätkomplikationen wie etwa eine Schulterarthrose auftreten, kann im letzten Schritt die Implantation einer Schulterprothese erwogen werden.

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