Das Kreuzband | Anatomie, Funktion und Verletzungen

Kreuzband

Das Knie zählt zu den am meisten belasteten Gelenken des menschlichen Bewegungsapparats. Kein Wunder, denn das Knie muss nicht nur die normalen Lasten des Körpergewichts tragen, sondern auch große Kräfte bei sportlichen Aktivitäten aushalten. Springen, schnelles Laufen, Drehungen, plötzliche Tempowechsel – allesamt Dinge, die nur ein gesundes Knie wirksam abfedern kann. Eine zentrale Rolle nimmt bei einem Knie das Kreuzband ein. Es ist das wichtigste stabilisierende Band des Gelenks. Welche Funktion das Kreuzband hat, wie es aufgebaut ist, welche Verletzungen auftreten können – und wie diese therapiert werden – zeigt der folgende Text.

Wie ist die Anatomie des Kreuzbands?

Das Kreuzband befindet sich am Kniegelenk und erfüllt hierbei eine der wichtigsten Funktionen: die Stabilität. Das Kniegelenk ist vielen Belastungen ausgesetzt, wozu sowohl große Gewalteinwirkungen als auch Rotationsbewegungen gehören. Die Kreuzbänder haben nun die Aufgabe – gemeinsam mit anderen Bändern des Knies und der Beinmuskulatur – bei diesen Drehungen oder Krafteinwirkungen für ausreichend Stabilität zu sorgen.

Wenn man von der Anatomie des Kreuzbands spricht, dann muss man zwei Dinge beachten. Im Grunde genommen gehören die Kreuzbänder nicht zum eigentlichen Kniegelenk, da sie ein wenig außerhalb liegen (extraartikulär). Außerdem gibt es ein vorderes und ein hinteres Kreuzband. Das hintere Kreuzband gilt als sehr stark und bleibt bei den meisten Kniegelenksverletzungen intakt, während das vordere Kreuzband bei Verletzung des Bandapparats häufiger in Mitleidenschaft gezogen wird. Anatomisch gesehen liegt das vordere Kreuzband zwischen Schienbein und Oberschenkelknochen. Es verläuft von vorne nach unten. Der Verlauf des hinteren Kreuzbandes ist genau gegenteilig. Ihren Namen tragen sie aufgrund der Tatsache, dass sie sich in ihrer Mitte kreuzen.



Präpariertes Kreuzband

Welche Funktion erfüllt das Kreuzband?

Insgesamt sind die Kreuzbänder essentiell für eine Stabilisierung des Kniegelenks – nicht nur beim Sport, sondern auch beim alltäglichen Laufen. Gemeinsam mit dem restlichen Bandapparat des Knies – Außenband und Innenband – stabilisieren sie das Gelenk. Reißt nun das Kreuzband, ist eben jene Stabilität nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr gegeben. Die Kreuzbänder sind hierbei nicht nur für die Stabilisation des Gelenks zuständig, sondern schränken auch die Rotation ein, zudem begrenzen sie die Streckung des Schienbeins.

Im direkten Vergleich muss das vordere Kreuzband die größere Last schultern, weshalb es bei Verletzungen tendenziell auch häufiger betroffen ist als das hintere Kreuzband. Vor allem im Leistungssport sind stabile Kreuzbänder wichtig, da hier noch einmal eine wesentlich größere Belastung auf das Knie zukommt. Damit der ganze Druck nicht auf den Bändern allein lastet, ist auch eine gut trainierte Muskulatur von großer Bedeutung.

Wichtige Funktionen des Kreuzbandes:

  • Einschränkung der Rotation
  • Streckbegrenzung des Schienbeins
  • Stabilisation des Kniegelenks

Was sind häufige Kreuzbandleiden?

Vor allem bei Sportlern gefürchtet ist der Kreuzbandriss. Diese Verletzung kommt meist durch eine Verdrehung des Kniegelenks zustande, bei der die Bänder nicht mehr in der Lage sind, die Bewegung abzufedern. Im überwiegenden Teil der Fälle reißt das vordere Kreuzband, seltener ist das hintere Kreuzband betroffen. Kommt es zu einer Verletzung, kann der Patient auch ein wenig Glück haben und mit einem Kreuzbandanriss davonkommen. Hierbei kommt es nicht zu einer kompletten Ruptur der Bänder, sondern sie reißen nur ein Stück weit ein. Eine Kreuzband-OP kann aber auch hierbei angezeigt sein. Abhängig ist dies von dem Ausmaß des Anrisses.

Bei einem Kreuzbandriss kann es auch noch zu weiteren Schäden kommen. So sind bei einer Ruptur auch knöcherne Ausrisse möglich, wenngleich dies eher seltener geschieht. Häufiger dagegen ist eine gleichzeitige Schädigung des Innenbandes und/oder der Menisken. Der Innenmeniskus ist mit dem Innenband verwachsen, so dass dieser bei Kreuz- und Innenbandverletzungen häufig ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird. Tritt diese Art der Verletzung auf, spricht man von einer „unhappy triad„. In einigen Fällen wird zusätzlich der Knorpel beschädigt. Ein Kreuzband muss allerdings nicht immer nur reißen oder anreißen. Es können auch Dehnungen auftreten, die zwar eine fachmännische Nachbehandlung erfordern, jedoch eine wesentlich geringere Heilungsdauer nach sich ziehen.

Die häufigsten Kreuzbandverletzungen:

  • Kreuzbandriss
  • Kreuzbandanriss
  • Kreuzbanddehnung
  • Kreuzbandriss mit Schädigung des Innenbands und Meniskus (unhappy triad)

Wie werden Kreuzbandverletzungen diagnostiziert?

Je nach Schädigungsgrad kommt es zu einer starken Instabilität im betroffenen Gelenk gepaart mit Schmerzen und Blutergüssen. Ist ein Kreuzband angerissen, können diese Symptome – wenn auch oft in geringerem Maße – ebenfalls auftreten. Beim Verdacht auf eine Kreuzbandverletzung führt der Mediziner den so genannten „Schubladen-Test“ durch. Lassen sich hierbei Ober- und Unterschenkel um mehr als einen halben Zentimeter gegeneinander verschieben, ist der Test als positiv einzustufen. Bei einer „vorderen Schublade“ ist das vordere Kreuzband beschädigt, bei der „hinteren Schublade“ das hintere Kreuzband.

Diese Untersuchung liefert erste Hinweise, jedoch kommen noch weitere Methoden zum Einsatz. Eine Röntgenaufnahme gibt Aufschluss darüber, ob neben dem Schaden am Bandapparat eine knöcherne Verletzung vorliegt. Zudem wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) hinzugezogen, die in der Regel Klarheit über das genaue Ausmaß der Verletzung bringt.

Diagnosemöglichkeiten für Kreuzbandverletzungen:

  • klinische Untersuchung durch den Arzt
  • Röntgenaufnahmen
  • MRT

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Eine Kreuzbandverletzung kann sowohl konservativ als auch operativ versorgt werden. Die Behandlungsvariante hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Handelt es sich lediglich um eine Dehnung, wird mit Schonung und aufbauender Physiotherapie gearbeitet. Bei Anrissen wird oft ebenfalls konservativ behandelt, jedoch hängt es auch davon ab, wie weit das Band geschädigt ist. Reißen die Kreuzbänder komplett, wird in der Regel ein operativer Eingriff erfolgen. Das zerstörte Band kann hier beispielsweise durch eine Kreuzband-Plastik ersetzt werden. Sollte es zur „unhappy triad“ kommen, so werden diese Schäden bei einer Kreuzband-OP gleich mitversorgt.

Die Nachsorge ist ebenfalls sehr wichtig, da stabilisierende Muskeln sowie die Koordination gegebenenfalls wiederaufgebaut werden müssen. Nicht jeder Kreuzbandriss muss zwangsläufig operiert werden. Es gibt einige Ausnahmefälle, in denen die Betroffenen konservativ behandelt wurden und die Stabilität des Kniegelenks per Muskelaufbau vorangetrieben haben.

Welcher Arzt ist bei einer Kreuzbandverletzung aufzusuchen?

Wie bei anderen Knieverletzungen auch, ist der Orthopäde hier der richtige Facharzt. Er wird beim Verdacht auf eine Kreuzbandverletzung die richtigen Tests durchführen sowie den Patienten während der weiteren Behandlung begleiten. Oft arbeiten die Orthopäden auch mit Reha-Zentren zusammen, die Krankengymnastik und Co. übernehmen.

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